Die Sicherheitsforscher von Team82, der Forschungsabteilung des Spezialisten für die Sicherheit von cyber-physischen Systemen (CPS) Claroty, haben Schwachstellen in den weitverbreiteten Steuerungssystemen für Kühlanlagen entdeckt. In der Danfoss AK-SM 800A-Plattform identifizierten die Experten Sicherheitslücken, durch die sich die Authentifizierung umgehen und Remote Code ausführen lässt. Bei der Copeland XWEB Pro-Plattform konnte Team82 insgesamt 23 Sicherheitslücken aufdecken, durch die Sicherheitsmechanismen umgangen und Systeme aus der Ferne manipuliert werden können. Beide Hersteller haben mittlerweile entsprechende Firmware-Updates zur Verfügung gestellt. Anwendern wird dringend geraten, diese zu installieren.
Danfoss AK-SM 800A
Danfoss ist einer der weltweit größten Hersteller von Kälte- und HLK-Anlagen. Die Lösungen des Unternehmens kommen unter anderem in Supermärkten, Kühlhäusern und Lagerhallen zum Einsatz. Der zentrale Systemmanager AK-SM 800A koordiniert dabei die Kältesteuerungen in der gesamten Anlage. Die Plattform bündelt Informationen von zahlreichen Feldgeräten und bietet dem Bedienpersonal eine webbasierte Verwaltungsschnittstelle zur Überwachung und Konfiguration der gesamten Kälteumgebung. Bei der Untersuchung der Management-Plattform deckte Team82 mehrere Schwachstellen auf, die die integrierte Web-Verwaltungsschnittstelle betrafen. So wurde ein versteckter „Code-of-the-Day“-Authentifizierungsmechanismus identifiziert, der zur Umgehung der normalen Authentifizierung missbraucht werden kann. Zudem entdeckten die Sicherheitsforscher eine Schwachstelle, die Ausführung von Code aus der Ferne ermöglicht, und eine Sicherheitslücke, die es authentifizierten Benutzern erlaubt, beliebige Nginx-Konfigurationsanweisungen einzuschleusen. Auf diese Weise kann der Webverkehr manipuliert werden und ein Denial-of-Service-Zustand erzwungen werden.
„Durch die erfolgreiche Umgehung der Authentifizierung vergrößert sich die Angriffsfläche erheblich“, erklärt Thorsten Eckert, Regional Vice President Sales Central von Claroty. „Anstatt auf eine kleine Anzahl nicht authentifizierter Endpunkte beschränkt zu sein, erhalten Angreifer Zugriff auf die gesamte Administrationsoberfläche und alle darin verfügbaren Verwaltungsfunktionen wie Netzwerkeinstellungen, Alarmmanagement, Benutzerverwaltung, E-Mail-Benachrichtigungen, Protokollierung und Systemwartung.“
Kunden, die betroffene AK-SM 800A-Controller verwenden, sollten so schnell wie möglich ein Upgrade auf die Firmware-Version R4.3.1 oder höher durchführen. Unternehmen sollten außerdem vermeiden, Verwaltungsschnittstellen direkt mit dem Internet zu verbinden. Sie müssen sicherstellen, dass der Zugriff auf Verwaltungsdienste auf vertrauenswürdige Netzwerke beschränkt ist.
Weitere Informationen, Hintergründe und technische Details finden sich im entsprechenden Blog-Beitrag von Claroty.
Copeland XWEB Pro
Während Danfoss einen Großteil der Kälteanlagen der großen Lebensmittelketten in Deutschland, Österreich und der Schweiz steuert, wird die Copeland XWEB-Plattform insbesondere im handwerklichen Bereich, etwa in Bäckereien, in Logistikzentren und in der Gastronomie eingesetzt. Die Untersuchung der Sicherheitsforscher von Team82 ergab insgesamt 23 Schwachstellen, von denen 21 als schwerwiegend eingestuft wurden. Jede dieser Schwachstellen stellt für sich genommen ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar und kann dazu führen, dass ein nicht authentifizierter Angreifer die Sicherheitsmechanismen der Plattform umgehen und Remote-Code auf Root-Ebene ausführen kann. In einer Live-Demonstration zeigten die Spezialisten, wie ein kompromittierter Überwachungscontroller es Angreifern ermöglicht, Kühlsysteme physisch zu manipulieren und den Inhalt unbemerkt verderben zu lassen.
In der Testumgebung wurde deutlich, wie Angreifer aus der Ferne einen seriell angeschlossenen Feldcontroller (etwa einen XR60CX) über einen kompromittierten XWEB-Controller manipulieren können. Sie waren in der Lage, die angezeigte Temperatur vollständig zu steuern und jede physische Komponente des Kühlsystems einschließlich Kompressor, Kühlventilatoren, Abtauzyklus und Beleuchtung aus der Ferne zu aktivieren oder zu deaktivieren. Das Perfide daran: Durch das Skript wurde eine beliebige Temperatur angezeigt, gänzlich unabhängig von der tatsächlichen Temperatur. Dadurch ist die Manipulation wesentlich schwerer zu erkennen. Details und Hintergründe hierzu finden sich im entsprechenden Blog-Beitrag.
Auch Copeland hat die Schwachstellen mittlerweile behoben und stellt die Firmware-Version 1.13 bereit. Anwender sollten schnellstmöglich ein entsprechendes Update durchführen.
Software-Schwachstellen können schnell zu realen physischen Folgen führen: von verdorbenen Lebensmitteln bis hin zu beeinträchtigten Medikamenten.
„In der Betriebstechnik (OT) ist die Grenze zwischen digitalen Netzwerken und physischen Systemen sehr schmal. Wie unsere Untersuchungen zeigen, können bereits wenige Software-Schwachstellen schnell zu realen physischen Folgen führen: von verdorbenen Lebensmitteln bis hin zu beeinträchtigten Medikamenten“, sagt Eckert. „Die neuen Erkenntnisse unterstreichen wieder einmal die Notwendigkeit einer verstärkten Cybersicherheit in der gesamten Kältetechnikbranche. Vorhersehbare Zugangsdaten, über das Internet zugängliche Verwaltungsschnittstellen und die zögerliche Einführung von Firmware-Updates machen kritische Systeme weiterhin anfällig. Die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit erfordert einen mehrschichtigen Sicherheitsansatz, der die zeitnahe Installation von Patches, die Netzwerksegmentierung, die Einschränkung der Internetpräsenz und die Absicherung der übergeordneten Steuerungen im Zentrum dieser Umgebungen umfasst.“



