Zwei deutsche Hersteller bündeln ihre Produkte für Betreiber kritischer Anlagen. Die caplon© NDR- / IDS-Probe läuft künftig als Container direkt auf der IRF-Appliance, die zugleich den gesicherten Fernzugriff auf verteilte Standorte bereitstellt.
Die consistec Engineering & Consulting GmbH und die ads-tec Industrial IT GmbH haben eine strategische Partnerschaft für die Absicherung von OT-Umgebungen geschlossen. Angesprochen sind Betreiber von Industrieanlagen, Energie- und Versorgungsnetzen, der Wasserwirtschaft sowie von Telekommunikations- und Netzinfrastrukturen.
Technische Grundlage der Kooperation sind das caplon© System zur Angriffserkennung und die Industrial Router Firewall der IRF-Serie, auf der es als Docker-Container läuft. Die Appliance bindet den Standort über ein integriertes LTE-Modul und eine VPN-Verbindung an die zentrale caplon© Instanz an, filtert vor Ort auf Layer-3-Ebene und trennt das Netz bei Bedarf in bis zu acht Segmente. Ein zusätzliches Gerät für das Monitoring entfällt. Dies löst ein Kernproblem dezentraler Anlagen: Eine Trafostation oder ein Batteriespeicher auf der Fläche bekommt selten ein Budget für eine dedizierte Sicherheitsarchitektur, obwohl sie regulatorisch fest zum Anlagenverbund gehören.
„Unsere Software caplon© entsteht ausschließlich am Standort Saarbrücken, entwickelt von festangestellten und hochqualifizierten Mitarbeitern“, sagt Dr.-Ing. Thomas Sinnwell, CEO und Mitgründer der consistec. „Mit ADS-TEC gewinnen wir einen Hardwarepartner, der seine Baugruppen und das BIOS selbst entwickelt und seine Stückliste kennt. Für unsere Kunden reicht die Nachvollziehbarkeit damit bis auf die Platine.“
caplon© Systeme erkennen automatisiert Anzeichen für laufende Angriffe, Anomalien und technische Störungen und erfüllen die Anforderungen des BSI an ein System zur Angriffserkennung vollumfänglich.
Der regulatorische Druck ist hoch. Betreiber kritischer Anlagen sind nach § 31 Absatz 2 BSIG verpflichtet, Systeme zur Angriffserkennung einzusetzen, die Betriebsparameter fortlaufend und automatisiert auswerten. Zudem gilt das NIS2-Umsetzungsgesetz seit dem 6. Dezember 2025 ohne Übergangsfrist und weitet den Kreis der beaufsichtigten Einrichtungen erheblich aus. Hinzu kommen seit dem 11. September 2026 die Meldepflichten des Cyber Resilience Act für aktiv ausgenutzte Schwachstellen, die auch bereits verkaufte Geräte erfassen.
„Ein Gerät allein macht niemanden konform, weder nach NIS-2 noch nach dem Cyber Resilience Act”, sagt Steffen Greiner, CFO der ads-tec Industrial IT GmbH. „Im Kern verlangt die Regulatorik immer eine Risikoanalyse – und daraus abgeleitet ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Segmentieren und filtern sind darin zentraler Bausteine, den wir mit unseren Komponenten abdecken: einsatzfertig für den Betreiber oder sein Systemhaus, ohne Integrationsaufwand.”
Über die Fernwartungsplattform Big-LinX® kommt der kontrollierte Servicezugriff hinzu. Wartungsarbeiten laufen nicht mehr vom Laptop des Technikers direkt ins Anlagennetz, sondern über isolierte virtuelle Serviceumgebungen mit feingranularem Rechtemanagement. Der Betreiber behält die Hoheit über Werkzeuge und Zeitfenster, und die Freigabe lässt sich zusätzlich lokal über einen Schlüsselschalter an die Situation vor Ort binden. Damit fällt ein Einfallstor weg, das in OT-Netzen regelmäßig unterschätzt wird: der Servicerechner eines externen Dienstleisters, der zwischen mehreren Kundenanlagen wandert.
Beide Häuser adressieren mit der Kombination auch Systemhäuser und Sicherheitsberater, die Sicherheitskonzepte für ihre Kunden entwerfen und dafür aufeinander abgestimmte Komponenten suchen. Die Rollenteilung bleibt dabei überschneidungsfrei, da sich consistec voll auf die Angriffserkennung spezialisiert, während die Kernkompetenzen von ADS-TEC im Firewalling und in der Fernwartung liegen.



