Jacques Noupoua, Security Client Executive bei BlueVoyant
Wenn die diesjährige Black Hat USA ihren Besuchern eines klar gemacht haben dürfte, dann dies: dass die Bedrohungen und Risiken des KI-Zeitalters, über die viele Jahre primär auf theoretischer Ebene diskutiert worden ist, nunmehr harte Realität, realer Alltag geworden sind. KI-Technologien halten Einzug in die globale Bedrohungslandschaft – und dies mit wachsendem Erfolg, mit immer größerer Geschwindigkeit. So ist es kein Wunder, dass fast ein Drittel aller Vorträge der diesjährigen Black Hat Themen wie KI-Risiken, den Missbrauch von KI-Agenten und LLM-gestützte Cyberoffensiven zum Gegenstand hatten.
Eine zentrale Erkenntnis: Nicht die effektiv geschriebenen bösartigen Prompts der Angreifer – Stichwort: Prompt Injection Attacks – sondern die nach wie vor häufig zu unsicher konstruierten architektonischen Sicherheitsframeworks der Opfer entscheiden letztlich über den Erfolg oder Misserfolg eines Angriffs. Entscheidend sind die Zugangs- und Zugriffsberechtigungen, die ein KI-Agent erhält, die Tools, die er aufrufen und nutzen, und die Aktivitäten, die er autonom in der Unternehmensumgebung zur Ausführung bringen darf.
Eine weitere Feststellung: die Kompromittierung der digitalen Identitäten bleibt das von Angreifern am häufigsten genutzte und von ihren Opfern am häufigsten unterschätzte Einfallstor für KI-gestützte Angriffe. Nach wie vor sind identitätsbasierte Kompromittierungen der primäre Angriffsvektor, wenn es darum geht, sich Zugang zu und Zugriff auf das Netzwerk eines Opfers zu verschaffen. Insbesondere Identitätsinfrastrukturen von Microsoft, etwa Entra ID und Active Directory, stehen im Fadenkreuz der Angreifer. Die Techniken, die die Cyberkriminellen dabei zum Einsatz bringen, reichen von gefälschten Authentifizierungstoken bis hin zu bösartigen OAuth-Zustimmungen.
Eine dritte Erkenntnis: soll KI wirklich sicher eingeführt und durch die Belegschaft sicher genutzt werden können, kommen Unternehmen um die Implementierung und strikte Durchsetzung einer wohl durchdachten Data-Governance nicht herum. Nur über sie können eine hohe Datenqualität und die Compliance gewährleistet, können fehlerhafte KI-Ergebnisse, Verzerrungen und Datenschutzverstöße verhindert werden.
Und schließlich: Auch das Risiko, das von Drittanbietern, von Lieferketten und von Anbieter-Ökosystemen, ausgeht, wird in vielen Unternehmen nach wie vor stark unterschätzt. Sicherheitsexperten fordern schon lange, dass Unternehmen sich hier nicht mehr allein auf statische Methoden, wie den jährlichen Versand von Compliance-Fragebögen an ihre Partner, Dienstleister und Zulieferer, verlassen. Stattdessen sollen sie sich daran machen, in Echtzeit die Cyberrisiken ihrer Drittanbieter aktiv zu prüfen und zu analysieren und ihnen dabei helfen ausgemachte Sicherheitslücken rasch zu schließen. Längst gibt es passende Third Party Risk Management (TPRM)-Lösungen am Markt, mit denen sich auch KI-Risiken schnell und unkompliziert aufdecken und minimieren lassen.
Mein Fazit zur Black Hat USA 2026 lautet: Die Absicherung von KI und ihre sichere Nutzung haben aufgehört, ein theoretisches Zukunftsthema zu sein. Sie sind zu einer realen Notwendigkeit der Gegenwart geworden, der Unternehmen sich jetzt so rasch wie möglich stellen sollten. Die rasante Evolution autonomer KI-Agenten, gepaart mit den vielerorts nach wie vor herrschenden eklatanten Schwachstellen in den Bereichen Identitätsverwaltung und Sicherheitsrisiken von Drittanbietern, zwingt Unternehmen zur Implementierung einer neuen ganzheitlichen Strategie. Sie müssen das Prinzip Zero-Trust für menschliche wie Maschinen-Identitäten und ihre Daten-Governance strikt durchsetzen und ihre Drittanbieter aktiv in Echtzeit überwachen sowie bei der (KI-)Risikominimierung unterstützen. Nur so werden ihre Belegschaften KI wirklich sicher nutzen können.



