★☆☆☆☆ – Hoch spezialisierte Rheumatologie, aber kein Gespräch mit dem Professor! Meine enttäuschende Erfahrung in Mainz

20. Oktober – Marienhaus Klinikum Mainz, Rheumatologie und Klinische Immunologie, Prof. Dr. med. Peter Härle

Ich bin heute mit der Erwartung nach Mainz gefahren, endlich einen kompetenten Ansprechpartner für meine seit längerer Zeit bestehenden, bislang nicht abschließend geklärten Gelenkbeschwerden zu finden.

Stattdessen habe ich eine Erfahrung gemacht, die mich an der Patientenorientierung und Organisation dieser hoch spezialisierten Einrichtung erheblich zweifeln lässt.

Ein Professor für Rheumatologie und Immunologie, aber keine Möglichkeit, meine medizinischen Fragen persönlich mit ihm zu besprechen. Stattdessen zunächst eine standardisierte Blutentnahme.

Genau das ist der Kern meiner Kritik.

Die Terminvereinbarung – aus meiner Sicht irreführend und unzureichend erklärt

Die Terminbuchung erfolgt über Doctena. Dort wird unter anderem eine „Blutentnahme vor Erstvorstellung“ angeboten.

Was für mich aus dem Buchungsvorgang nicht eindeutig hervorging, war die entscheidende Information, dass am betreffenden Tag überhaupt kein Gespräch mit dem Professor vorgesehen ist. Weder vor noch nach der Blutentnahme.

Eine Blutentnahme vor einem ärztlichen Gespräch ist grundsätzlich nachvollziehbar. Doch dass an diesem Tag überhaupt kein Arztkontakt stattfindet, ist etwas völlig anderes.

Warum wird nicht unmissverständlich darauf hingewiesen, dass man ausschließlich zur Blutentnahme erscheint und den Facharzt erst bei einem weiteren Termin sprechen kann?

Hätte ich dies vorher gewusst, hätte ich meine Entscheidung über die Anreise und den Termin anders getroffen.

Der eigentliche medizinische Grund meines Besuchs

Ich suche nicht nach irgendeiner Standarduntersuchung. Ich suche nach den Ursachen meiner Beschwerden.

Dabei wollte ich mit dem Spezialisten unterschiedliche diagnostische Fragestellungen erörtern, darunter mögliche mitochondriale Schädigungen, immunologische Rezeptorfragestellungen und eine mögliche Lyme-Borreliose.

Natürlich weiß ich, dass nicht jede vermutete Ursache zutreffen muss und nicht jede Laboruntersuchung medizinisch sinnvoll ist.

Genau deshalb suche ich einen ausgewiesenen Spezialisten!

Ich möchte nicht selbst bestimmen, welche Blutwerte untersucht werden. Ich möchte mit einem kompetenten Arzt besprechen, welche Untersuchungen überhaupt sinnvoll sind und welche ausgeschlossen werden können.

Das ist für mich der wesentliche Unterschied zwischen einer individuell geplanten Diagnostik und einer schematischen Untersuchung.

Die Situation vor Ort – das Vorzimmer bestimmt den Ablauf

Als ich meine Vorstellungen erläuterte, erklärte mir die Mitarbeiterin, dass zunächst die vorgesehene Blutuntersuchung stattfinden müsse.

Ein persönliches Gespräch mit Professor Härle war für diesen Termin nicht vorgesehen.

Damit endete die Möglichkeit, meine individuellen Fragestellungen vorzutragen, praktisch schon am Empfang.

Ich frage mich ernsthaft, weshalb bei einem Patienten mit ungeklärten Beschwerden nicht zumindest organisatorisch geklärt werden kann, ob ein Arztgespräch vor oder unmittelbar nach der Blutentnahme möglich ist.

Ein Patient fährt zu einem Spezialisten, weil er eine spezialisierte ärztliche Einschätzung benötigt – nicht, um ausschließlich einen standardisierten organisatorischen Ablauf zu durchlaufen.

Medizinische Diagnostik sollte nachvollziehbar geplant werden

Selbstverständlich können Standardlaborwerte ein notwendiger und sinnvoller erster Schritt sein.

Das bestreite ich ausdrücklich nicht.

Meine Kritik richtet sich vielmehr gegen die fehlende Möglichkeit, die weitere Diagnostik mit dem Arzt zu besprechen, bevor Untersuchungen stattfinden.

Denn wenn erst Blut abgenommen wird, danach ein Arztgespräch erfolgt und sich anschließend zusätzliche medizinisch begründete Fragestellungen ergeben, könnten weitere Laboruntersuchungen und möglicherweise erneute Blutentnahmen erforderlich werden.

Warum kann man solche Abläufe nicht besser miteinander koordinieren?

Eine erste Blutentnahme und ein anschließendes ärztliches Gespräch hätten möglicherweise ermöglicht, ergänzende Proben noch am selben Tag zu gewinnen, soweit dies medizinisch und labortechnisch sinnvoll gewesen wäre.

Das könnte zusätzliche Anfahrten, organisatorischen Aufwand, weitere Blutentnahmen und gegebenenfalls Kosten reduzieren.

Natürlich lassen sich nicht alle Spezialuntersuchungen aus derselben Probe durchführen. Aber genau deshalb sollte die Diagnostik durchdacht und für den Patienten nachvollziehbar geplant werden.

Was ist eigentlich der Mehrwert eines hoch spezialisierten Zentrums?

Das Marienhaus Klinikum Mainz präsentiert sich als Einrichtung mit besonderer rheumatologischer und immunologischer Expertise.

Daran messe ich auch meine Erwartungen.

Wenn ein Patient mit einer komplexen, ungeklärten Symptomatik einen solchen Spezialisten aufsucht, möchte er mehr als eine standardisierte Laboranforderung.

Er möchte, dass seine medizinische Vorgeschichte berücksichtigt wird, alternative Ursachen fachlich eingeordnet und die nächsten diagnostischen Schritte nachvollziehbar erklärt werden.

Ein Professorentitel allein schafft noch kein Vertrauen. Vertrauen entsteht im ärztlichen Gespräch, durch Zuhören, fachliche Auseinandersetzung und eine begründete medizinische Entscheidung.

Mir wurde heute keine Gelegenheit gegeben, dieses Gespräch zu führen.

Meine Konsequenz – unverrichteter Dinge wieder nach Hause

Ich habe mich schließlich entschieden, die vorgesehene Blutentnahme nicht durchführen zu lassen.

Nicht, weil ich grundsätzlich gegen Blutuntersuchungen bin, sondern weil ich vorab zumindest Klarheit über die diagnostische Vorgehensweise haben wollte.

Am Ende fuhr ich wieder nach Hause.

Keine Blutentnahme. Kein ärztliches Gespräch. Keine individuelle Diagnostikplanung. Keine neuen Erkenntnisse.

Dafür Zeitverlust, eine unnötige Anfahrt und erhebliche Enttäuschung.

Besonders bedauerlich finde ich, dass sich diese Situation durch eine eindeutige Beschreibung des Buchungsablaufs möglicherweise vollständig hätte vermeiden lassen.

Mein abschließendes Urteil

Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass ich die medizinische Fachkompetenz von Professor Härle nicht beurteilen kann. Schließlich hatte ich überhaupt keine Gelegenheit, mit ihm zu sprechen.

Ich bewerte die von mir erlebte Organisation, die Termintransparenz und den Umgang mit meinem Wunsch nach einem ärztlichen Gespräch.

Und diese Erfahrung war für mich ausgesprochen schlecht.

Ich erwarte von einer hoch spezialisierten rheumatologischen Einrichtung, dass Patienten bereits vor der Anreise eindeutig erfahren, ob sie einen Arzttermin oder ausschließlich einen Labortermin wahrnehmen.

Ebenso erwarte ich, dass individuelle Fragestellungen nicht erst irgendwann nach einem standardisierten Untersuchungsablauf berücksichtigt werden können, sondern dass zumindest die Möglichkeit einer fachlichen Abstimmung besteht.

Mein Fazit: Hoch spezialisierte Medizin sollte nicht an der Terminorganisation scheitern. Wer sich als medizinisches Kompetenzzentrum versteht, muss Patienten auch eine klare, verständliche und verlässliche Kommunikation bieten.

Anderen Patienten mit ungeklärten rheumatologischen Beschwerden empfehle ich deshalb dringend, vor der Anreise ausdrücklich nachzufragen, ob sie tatsächlich mit einem Arzt sprechen können – oder ausschließlich zur Blutentnahme erscheinen sollen.

Für meinen heutigen Besuch und die dabei erlebte Organisation kann ich nur einen von fünf Sternen vergeben.