KI macht Angriffe auf Kühlsteuerungen billig und schnell

Claroty_T82_Refrigeration_Cybersecurity_16_10

Nach den Angriffen auf Supermärkte in Frankreich Mitte Oktober sind erneut Kühlsysteme im Einzelhandel manipuliert worden, diesmal unter anderem in Belgien, Schweden, Irland, Luxemburg, Estland, Finnland und den Niederlanden. Betroffene Märkte meldeten stark steigende Temperaturen in Kühl- und Tiefkühlanlagen. Die EU-Kommission bezeichnet die wiederholten Vorfälle als „zutiefst besorgniserregend“. Dazu Thorsten Eckert, Regional Vice President Sales Central von Claroty:

„Diese zweite Welle von Angriffen auf Kühlanlagen in Europa verdeutlicht einen besorgniserregenden Trend: Angreifer zielen zunehmend auf weitreichende, schwerwiegende Störungen lebenswichtiger Dienste ab. Die verschärften geopolitischen Spannungen haben zu einem sprunghaften Anstieg von Angriffen auf kritische Infrastrukturen geführt. Gleichzeitig ermöglicht künstliche Intelligenz den Angreifern, Netzwerke rasch auf Schwachstellen und Lücken in den Zugriffskontrollen zu überprüfen.

Die Häufung von Angriffen auf Kühlsysteme in ganz Europa zeigt, wie anfällig Kühlketten in einer Vielzahl von Branchen sind, weit über Supermärkte und Lebensmittelgeschäfte hinaus. Kühlsteuerungen kommen auch in Krankenhäusern, der Pharmaindustrie, bei Wasserversorgern, in Rechenzentren und vielen anderen Bereichen zum Einsatz. Im Grunde ist jedes Unternehmen, das mit temperaturempfindlichen Gütern umgeht, gefährdet und muss Maßnahmen ergreifen, um sich vor einem ähnlichen Angriff zu schützen.

Vernetzung als Risiko

Derzeit wissen wir nicht wer diese Angriffe warum durchgeführt hat. Wir wissen allerdings, dass nach wie vor zahlreiche Kühlsysteme mit dem Internet verbunden sind. Dies verbessert durch die Möglichkeit der Fernwartung die Produktivität und Effizienz erheblich. Jedoch bietet die Vernetzung, wie wir gerade schmerzlich feststellen, Angreifern leicht zugängliche Einstiegspunkte in das Netzwerk und entspricht daher nicht den bewährten Sicherheitspraktiken: Wenn ein Fernzugriff erforderlich ist, sollte dieser über ein VPN, eine starke Authentifizierung oder ein zentralisiertes, sitzungsüberwachtes Tool für sicheren Zugriff erfolgen, anstatt über eine direkte Verbindung zum öffentlichen Internet.

KI-gestützte Bedrohungen

Die gesamte Cybersicherheitsbranche befindet sich derzeit inmitten eines KI-getriebenen Tsunamis kritischer Software-Schwachstellen wie beispielsweise bei PHP. Laut der Electronic Frontier Foundation wurden von allen jemals in der Geschichte entdeckten Software-Sicherheitslücken fast ein Viertel im Jahr 2026 gefunden. Es ist natürlich wichtig, Schwachstellen so schnell wie möglich zu beheben. Das Patchen allein reicht aber einfach nicht aus, um mit dem Tempo der heutigen, von KI befeuerten Bedrohungslandschaft Schritt zu halten.

Dank moderner KI benötigen Angreifer keine speziellen Kenntnisse mehr, um die Geräte-Firmware zu analysieren und Schwachstellen bei vernetzten Geräten zu finden. Unsere Untersuchungen zeigen, dass Angreifer fortschrittliche KI-Tools nutzen könnten, um die von unseren Sicherheitsforschern entdeckten Schwachstellen in Kühlgerätesteuerungen zu reproduzieren und so Befehle auf Root-Ebene auszuführen. Der Aufwand dafür ist erschreckend gering: 28 Minuten und KI-Kosten von rund 6 US-Dollar.

Lückenhafte Transparenz

Viele Einzelhändler haben keinen vollständigen Überblick über ihre Umgebungen und sind sich möglicherweise nicht bewusst, dass anfällige Steuerungen ungeschützt sind.

Diese Steuerungen stammen von verschiedenen Anbietern und werden oftmals von Unternehmen, Integratoren oder Auftragnehmer direkt mit dem Internet verbunden. Jedes Unternehmen, das auf Kühlsysteme angewiesen ist, sollte mit seinen Integratoren und anderen Partnern sprechen, die für die Konfiguration und Wartung dieser Systeme verantwortlich sind. Darüber hinaus müssen Sicherheitsverantwortliche sicherstellen, dass die Geräte hinter einer Firewall oder mit einer sicheren Fernzugriffslösung betrieben werden. Und falls es immer noch nicht passiert ist, müssen Standardpasswörter unverzüglich geändert werden.“