Gefährliche Schatten-KI: Fast 80 % der Unternehmen kämpfen laut Veeam-Studie mit unkontrollierten KI-Workflows

Tim Pfälzer, GM and SVP EMEA bei Veeam

Eine neue Studie von Veeam Software deckt die wachsende Unsicherheit im Umgang mit unkontrollierten und nicht genehmigten KI-Agenten in Unternehmen der EMEA-Region auf. Den Ergebnissen zufolge kämpfen Unternehmen an zwei Fronten gegen sogenannte „Shadow Agents“. Im Bereich der Datensicherheit geben 70 Prozent der Unternehmen zu, dass automatisierte KI-Workflows ohne vollständige Kontrolle mit sensiblen Unternehmensdaten interagieren. Gleichzeitig verliert die IT-Abteilung auf der Governance-Seite die Kontrolle: 67 Prozent der Unternehmen geben an, dass ihre Mitarbeiter autonome KI-Workflows erstellen, die die IT nicht vollständig nachverfolgen kann.

Die Ergebnisse zeugen von einer entscheidenden Herausforderung, der Unternehmen bei der KI-Integration begegnen: Sie müssen sicherstellen, dass die Datenbasis von KI-Agenten vertrauenswürdig, sicher und widerstandsfähig bleibt. Ohne entsprechende Governance, Transparenz und den richtigen Schutz laufen Unternehmen Gefahr, sensible Informationen offenzulegen, Compliance-Risiken zu erhöhen und das vertrauenswürdige Datenfundament zu erodieren, das für die sichere KI-Skalierung erforderlich ist.

Zunehmender regulatorischer Druck und die „unternehmerische Rechenschaftspflicht“ rücken das Thema KI-Governance zudem von der technischen Ebene in die Vorstandsetage. Fast ein Drittel der Unternehmen (32 Prozent) gibt an, dass dieser Druck bereits zu Spannungen oder Konflikten unter den Führungskräften führt.

KI-Governance ist mittlerweile eine Herausforderung für die Führungsspitze

 Die Compliance-Verpflichtungen in der EMEA-Region und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften setzen Führungskräfte zunehmend unter Druck. Besonders die Einführung einer persönlichen rechtlichen Haftung von Führungskräften der obersten Ebene für Cyber-Resilienz erhöhen die Verantwortung nachweislich: Die Untersuchung ergab, dass 58 Prozent der befragten Unternehmen nun neuen Gesetzen zur Unternehmenshaftung unterliegen. Besorgniserregend ist jedoch, dass jeder zehnte Befragte angab, die genauen individuellen Verantwortlichkeiten seien geteilt und sogar unklar.

Diese erhöhte Verantwortung hat deutliche Auswirkungen auf die Führungsteams:

  • 40 Prozent sind besorgt über persönliche Haftung oder Konsequenzen.
  • 39 Prozent berichten von einer verstärkten Kontrolle durch den Vorstand.
  • 37 Prozent geben an, dass dies zu erhöhtem persönlichem Stress oder Ängsten geführt hat.
  • 32 Prozent sagen, dass dies zu Spannungen oder Konflikten mit anderen Führungskräften geführt hat.

Die Studie weist jedoch auch auf eine positive Entwicklung hin: 45 Prozent der Befragten geben an, dass die erhöhte Rechenschaftspflicht die Abstimmung und den Fokus auf Führungsebene verbessert hat.

„Führungskräfte hatten noch nie so viel zu bedenken, was Vorschriften zur Daten-Governance und Cyber-Resilienz angeht“, sagte Tim Pfälzer, General Manager und Senior Vice President für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) bei Veeam. „Der zunehmende Stress und die Anspannung sind zwar vollkommen verständlich, doch wenn dies zu mehr Abstimmung auf Vorstandsebene führt, wird damit auch das Vertrauen von Unternehmen in ihre Daten und die eigene KI-Governance im Zeitalter der Agenten gestärkt. Eine bessere Abstimmung führt letztendlich auch zu wirksamer Daten-Governance, mehr Transparenz und verlässlicherem Schutz für das gesamte Unternehmen.“

„Schattenagenten“ breiten sich in der EMEA-Region schneller aus, als die Governance Schritt halten kann

Die Ergebnisse zeigen einen fragmentierten Ansatz bei der KI-Governance in der gesamten Region. Deutschland steht vor besonders akuten Herausforderungen: 81 Prozent der Führungskräfte geben zu, dass automatisierte Arbeitsabläufe ohne Aufsicht mit sensiblen Daten interagieren. 79 Prozent berichten zudem, dass Mitarbeiter „Schatten-Workflows“ erstellen, die von den IT-Teams nicht nachverfolgt werden können.

In Großbritannien sehen sich Unternehmen mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert: 75 Prozent von ihnen geben an, dass ihnen eine angemessene Kontrolle über KI-Agenten fehlt, die mit sensiblen Daten interagieren.

Dies geschieht trotz erheblicher Investitionen in stärker kontrollierte KI-Umgebungen. In der gesamten EMEA-Region entwickeln 41 Prozent der Unternehmen eigene lokale oder souveräne KI-Modelle, um speziell gegen Schatten-KI vorzugehen. Fast die Hälfte (49 Prozent) verfolgt dabei einen hybriden Ansatz und setzt eine Mischung aus lokalen und souveränen Modellen für sensible Daten sowie globale Modelle für allgemeine Aufgaben ein.

Unternehmen aus den Regionen des Mittleren Ostens und Afrika (MEA) bilden hier eine Ausnahme: 41 Prozent verlassen sich bei allen Anwendungsfällen vollständig auf globale KI-Anbieter. Dies deutet darauf hin, dass das regulatorische Umfeld der EU einen erheblichen Einfluss auf die KI-Governance in Unternehmen aus der Region EMEA hat.

„EMEA-Unternehmen sind noch dabei, sich mit der Governance im neuen Zeitalter der autonomen Agenten auseinanderzusetzen“, fügte Tim Pfälzer hinzu. „Die Daten zeigen jedoch, dass die Branche die falsche Diskussion über das Vertrauen in KI führt. Der Versuch, Tausende autonomer Agenten einzeln zu kontrollieren, ist schlichtweg nicht skalierbar. Um KI auf Unternehmensebene sicher zu machen, müssen Unternehmen die Daten, auf die diese Agenten angewiesen sind, schützen, steuern und verstehen.“

Vertrauenslücke beim EU AI Act offenbart Governance-Risiko

 Dieser Druck wird durch den EU AI Act noch verstärkt. Dessen Auswirkungen werden zunehmend spürbarer, wobei weitere Fristen und Deadlines noch bis Ende 2028 ausgerollt werden.

Eine Untersuchung ergab, dass zwar die überwiegende Mehrheit der Führungskräfte (83 Prozent) der Ansicht ist, das Gesetz werde sich positiv auf Unternehmen und das Gesamtumfeld auswirken, jedoch sind 62 Prozent der Meinung, „Unklarheiten oder Grauzonen“ könnten ein Compliance-Risiko darstellen, und weitere 63 Prozent befürchten, dadurch könnten unbeabsichtigte operative oder rechtliche Risiken entstehen. Besonders besorgt sind Großbritannien und Deutschland, wo gerundet jeweils 74 Prozent die Unklarheiten als Compliance-Risiko betrachten.

Die Studie wurde von Veeam in Auftrag gegeben und vom unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Censuswide durchgeführt. Befragt wurden 1.000 Entscheidungsträger aus den Bereichen IT, Daten und Sicherheit in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Frankreich sowie im Nahen Osten und in Afrika (einschließlich der Türkei, Israels, der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens, Nigerias, Südafrikas und Kenias). Die Daten wurden zwischen dem 21. und 27. April 2026 erhoben. Censuswide hält sich an die Grundsätze der Market Research Society, die auf den ESOMAR-Prinzipien basieren, und beschäftigt Mitglieder dieser Gesellschaft.