Auch 5.811 Festnahmen werden den Anlagebetrug nicht stoppen

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Ein Kommentar von Frank Heisel, CEO bei RISK IDENT

5.811 Festnahmen in 97 Ländern, dazu sichergestellte Vermögenswerte im Wert von 293 Millionen US-Dollar. Die Bilanz der von Interpol koordinierten Operation „First Light 2026“ belegt, dass internationale Strafverfolgung gegen Social-Engineering-Betrug wirken kann. Zwei Details der Meldung verdienen allerdings mehr Aufmerksamkeit, als sie bisher bekommen. Deutschland gehörte nicht zu den beteiligten Ländern. Und die weltweit mehr als 142.000 ermittelten Geschädigten sind vermutlich nur der sichtbare Teil eines erheblich größeren Dunkelfelds.

Dabei wäre der Handlungsdruck gerade hierzulande hoch. Das Bundeskriminalamt registrierte für 2024 einen Anstieg der erfassten Fälle von Anlagebetrug um 413 Prozent. Wie leicht Täter an potenzielle Opfer kommen, zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag der Initiative Sicher Handeln. 39 Prozent der Befragten haben im Netz bereits Werbung für angeblich schnelle oder besonders einfache Gewinne gesehen, am häufigsten in sozialen Netzwerken. Hinter solchen Angeboten steckt organisierter Cybertrading Fraud. Wer einzahlt, sieht sein Geld in aller Regel nicht wieder.

Besonders beunruhigt mich der Blick auf die Generationen. Extrem hohe Renditeversprechen deuten 69 Prozent der Babyboomer als Warnsignal, in der Gen Z sind es gerade einmal 45 Prozent. Nur ein Drittel dieser Altersgruppe schließt aus, sich überhaupt mit solchen Angeboten zu befassen. Ausgerechnet wer digital aufgewachsen ist, durchschaut die Maschen offenbar am schlechtesten. Souveränität im Umgang mit Apps ist eben keine Betrugskompetenz.

Was folgt daraus? Ermittlungserfolge wie „First Light“ bleiben unverzichtbar, aber sie setzen an, wenn der Schaden bereits entstanden ist. Selbst I-GRIP, der Interpol-Mechanismus zum schnellen Stoppen verdächtiger Zahlungen, reagiert auf einen Betrug, der schon gelungen ist. Wirksamer ist es, Betrugsversuche zu erkennen, bevor Geld fließt. Plattformen und Finanzdienstleister sehen die Spuren in ihren eigenen Systemen früher als jede Behörde. Auffällige Gerätemuster oder untypische Transaktionswege lassen sich maschinell in Echtzeit erkennen. Diese Verantwortung dürfen Anbieter nicht allein auf ihre Kundschaft abwälzen.

Aufklärung wirkt trotzdem. Kampagnen wie die der Initiative Sicher Handeln, die wir als RISK IDENT unterstützen, machen Menschen misstrauischer gegenüber unrealistischen Versprechen. Doch gegen professionelle, arbeitsteilig organisierte Täterstrukturen reicht die Wachsamkeit Einzelner nicht aus. Der wirksamste Betrugsfall ist der, der technisch verhindert wird, bevor er überhaupt erst ein Fall für Interpol werden kann. Dass Deutschland bei der nächsten „First Light“-Operation dabei sein sollte, versteht sich von selbst. Warten sollten wir darauf  jedoch nicht.