Die Bedrohungslage im Cyberraum verschärft sich rasant. Doch viele Unternehmen kämpfen weiterhin damit, Schritt zu halten. Das zeigt der aktuelle Report Reports zum Stand der Cybersicherheit 2026: Die Kluft zwischen IT und Sicherheit schließen von Ivanti, einem weltweit tätigen Anbieter von Enterprise-IT- und Sicherheitssoftware. Grundlage der Studie sind die Einschätzungen von mehr als 1.200 Cybersicherheitsexperten weltweit. Ihr Fazit: Die Kluft zwischen zunehmend ausgefeilten Cyberangriffen und der Verteidigungsfähigkeit von Unternehmen wird immer größer.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Einsatz künstlicher Intelligenz. KI verändert die Cybersicherheit grundlegend – sowohl auf Seiten der Angreifer als auch der Verteidiger. Laut Ivanti sind Sicherheitsexperten inzwischen 2,4-mal häufiger der Meinung, dass ihre eigenen Teams KI ebenso effektiv oder sogar effektiver einsetzen als Cyberkriminelle.

Besonders deutlich wird: Der strategische Einsatz von KI entwickelt sich zunehmend zu einem entscheidenden Faktor moderner Verteidigungsstrategien.
Um die möglichen Vorteile, die KI in der Angriffsabwehr mit sich bringt, wirksam ausspielen zu können, müssen die verteidigenden Teams KI und Automatisierung in der Cybersicherheit fest in Abläufe integrieren. Doch obwohl nahezu alle Befragten (92 %) angeben, dass Automatisierung die durchschnittliche Reaktionszeit ihres Pipeline-Teams verkürzt, variiert der Einsatz von KI über kritische Sicherheitsfunktionen hinweg:
- 53 % der Sicherheitsteams nutzen KI zur Durchsetzung von Cloud-Sicherheitsrichtlinien
- 44 % für Incident-Response-Workflows
- 43 % für die Korrelation von Bedrohungsinformationen
- nur 42 % für Schwachstellen-Management und -Behebung.
Wachsendes Vertrauen in automatisierte Cybersicherheits-Abwehr
Unternehmen erkunden zunehmend, wie sie neue Technologien für sich einsetzen können. Doch gerade im Kontext der KI herrscht noch Skepsis. Insbesondere Agentic AI, die als autonome Systeme in Echtzeit Entscheidungen treffen und unabhängig handeln können, haben kein universelles Vertrauen in der Gesellschaft erlangt.
Den Zweifeln zum Trotz gaben 87 % der Sicherheitsexperten an, dass die Integration von Agentic AI-Lösungen eine Priorität für ihre Teams ist. Die Mehrheit (77 %) berichtet zudem, dass sie sich damit zumindest einigermaßen wohl fühlen, autonome KI-Systeme ohne menschliche Aufsicht agieren zu lassen. Dies markiert ein wachsendes, wenn auch vorsichtiges, Vertrauen in automatisierte Cybersicherheits-Abwehr.
„Obwohl diejenigen, die sich um die Verteidigung vor IT-Angriffen kümmern, optimistisch im Hinblick auf das Potenzial von KI in der Cybersicherheit sind, zeigen die Ergebnisse von Ivanti auch, dass Unternehmen in Bezug auf ihren Reifegrad, sich gegen eine Vielzahl von Bedrohungen zu verteidigen, weiter zurückfallen. Das nenne ich das ‚Cybersecurity Readiness Deficit‘ – ein sich Jahr für Jahr vergrößerndes Ungleichgewicht in der Fähigkeit von Organisationen, ihre Daten, Menschen und Netzwerke vor einer sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslage zu schützen. Diese Herausforderung wird durch das beschleunigte Tempo des technologischen Wandels noch verschärft. Insbesondere, wenn Organisationen ihre SaaS-Transformationen vorantreiben und neue Technologien immer schneller übernommen werden“, so Daniel Spicer, Chief Security Officer bei Ivanti, „Sicherheitsverantwortliche wissen, dass Zeit und Mitarbeitende ihre wertvollsten Ressourcen sind. KI-Tools sind daher momentan bereits effektiv dabei, Routineaufgaben der Cyberhygiene automatisch zu übernehmen. Aufgaben, die IT-Teams normalerweise viel Zeit kosten würden. Zudem helfen sie dabei, einige der häufigsten Lücken im Schutz der Organisation zu schließen.“
Ivantis Studie identifiziert mehrere zentrale Ergebnisse:
IT und Security driften bei Cyberrisiko-Prioritäten auseinander:
- Beinahe die Hälfte (48 %) der Sicherheitsexperten gab an, dass IT-Teams nicht schnell genug auf Cybersicherheitsanliegen reagieren, während 40 % glauben, dass die IT-Verantwortlichen das Risikotoleranzprofil ihrer jeweiligen Unternehmen nicht verstehen. Diese Diskrepanz schadet besonders dem Exposure Management, das auf Zusammenarbeit zwischen Sicherheit und IT angewiesen ist, um technische Exposure mit den Geschäftszielen zu verbinden.
Die meisten Unternehmen verfolgen einen fragmentierten Ansatz beim Tracking von Cybersicherheitsmetriken:
- Die am häufigsten genutzten Messgrößen spiegeln keinen Risiko-Kontext wider. Nur 60 % der Sicherheitsexperten nutzen Analysen, die sich mit den Auswirkungen auf das Unternehmen befassen, um ihre Risikopriorisierung zu bestimmen. Tatsächlich nutzen nur knapp die Hälfte der Unternehmen (51 %) einen Cybersicherheits-Exposure-Score bzw. einen risikobasierten Index. Viele setzen hingegen immer noch auf Prozessmetriken wie „durchschnittliche Zeit bis zur Behebung“ (47 %) oder den Prozentsatz behobener Gefährdungen (41 %). Das Problem liegt darin, dass diese Kennzahlen, die sich auf Geschwindigkeit und Anzahl der Behebungen konzentrieren, isoliert betrachtet positiv aussehen können. Sie sagen jedoch wenig darüber aus, ob Behebungsmaßnahmen die Risikoposition tatsächlich verbessern.




