Wie künstliche Intelligenz Unternehmen, ihre Infrastrukturen und Arbeitsweisen verändern wird

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Von Kelly Ahuja, CEO von Versa Networks

Im vergangenen Jahr habe ich viel Zeit mit CIOs, CISOs und Führungskräften aus den Bereichen Netzwerk und Sicherheit verbracht. Dabei kam ein Thema immer wieder auf: Die Komplexität nimmt zu, während KI alles beschleunigt.

2026 wird aus meiner Sicht die KI von drei Umwälzungen geprägt sein: der Neuordnung der Datenströme durch KI-gesteuertes Edge-Computing, der Entkopplung von Benutzern und Geräten durch Enterprise-Browser und der Entstehung echter Governance-Grenzen für autonome KI innerhalb des Unternehmens. Für Unternehmen reicht es nicht, neue Tools einzuführen. Vielmehr müssen sie durch die Modernisierung ihrer Architekturen, die Stärkung ihrer Sicherheitsgrundlagen und die Festlegung klarer Leitlinien für KI die Grundlagen für eine effektive und sichere KI-Nutzung legen.

Die Zukunft der Unternehmens-KI hängt vom Netzwerk ab

Die künstliche Intelligenz verändert die Regeln für den Datenverkehr in Unternehmen grundlegend. Workloads, Modelle und Inferenzen werden zunehmend verteilt und in Echtzeit ausgeführt.  Datenhoheit, Sicherheit und nicht zuletzt die Kosten werden Unternehmen dazu veranlassen, viele KI-Anwendungsfälle innerhalb ihrer eigenen Infrastruktur zu implementieren. Darüber hinaus werden für spezifische Anwendungsfälle auch weiterhin cloudbasierte Dienste genutzt. All dies führt zu einer Verlagerung von zentralisierten „Hub-and-Spoke“-Netzwerken hin zu einem dynamischen Netz aus Datenströmen zwischen Benutzern, Zweigstellen, Clouds und Edge-Standorten.

Diese Entwicklung erfordert ein Umdenken in Bezug auf die Netzwerkarchitektur. Unternehmen benötigen Netzwerke, die nicht nur als Leitungen dienen, sondern intelligente Systeme sind, die sich an veränderte Bedingungen anpassen, Richtlinien konsequent durchsetzen und den Datenverkehr unabhängig von seinem Ursprungs- und Zielort schützen können. Sicherheits- und Infrastrukturverantwortliche müssen entsprechend in Edge-fähige Netzwerke und Sicherheitslösungen investieren, die mit der Komplexität der künstlichen Intelligenz Schritt halten können. Dabei muss der administrative Aufwand reduziert und keinesfalls erhöht werden.

Enterprise-Browser machen Nutzer unabhängig von Geräten – sofern die Sicherheit gewährleistet ist

Die Verbreitung von KI am Arbeitsplatz schreitet immer schneller voran. Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, unbefugte KI-Nutzung zu erkennen und zu verhindern. Über die gängigen Cloud-Tools und -Agenten hinaus stellt die Integration von KI in bestehende Webbrowser eine weitere Herausforderung und potenzielle Cyber-Bedrohung dar. Daher suchen viele Unternehmen nach Lösungen, mit denen sie Funktionen bereitstellen und gleichzeitig ihre Prozesse schützen können.

Enterprise-Browser sind dabei, den Arbeitsplatz neu zu gestalten, indem sie einen sicheren, konsistenten Zugriff auf Unternehmensressourcen von überall aus ermöglichen. Gleichzeitig werden die Nutzer von den Geräten entkoppelt. Der größte Vorteil liegt jedoch nicht im Browser an sich. Vielmehr kann er zu einem Richtlinien-basierten Gateway ins Unternehmen werden. Um diesen Mehrwert zu erschließen, sollten Enterprise-Browser Teil eines eng integrierten modernen Secure Access Service Edge (SASE)-Frameworks sei, das Netzwerk und Sicherheit kombiniert. Auf diese Weise bleiben Security, Performance und Nutzererfahrung stets konsistent, ganz unabhängig davon, ob der Enterprise-Browser auf dem Firmen- oder privaten Rechner oder gar auf dem Smartphone genutzt wird.

Die Schlussfolgerung ist klar: Enterprise-Browser sind der neue End-Point und somit zentral für Zero-Trust. Entsprechend muss die umgebende Architektur so aufgebaut sein, dass Identität, Richtlinien und Kontrollen den Benutzer (und nicht das Gerät) überallhin begleiten.

KI-Agenten werden zu virtuellen Assistenten für jeden Mitarbeiter

Das nächste Kapitel der KI wird sich nicht mehr nur auf die Generierung von Informationen oder die Bereitstellung von Antworten beschränken. KI wird in Form von Agenten beginnen, Empfehlungen auszusprechen und Maßnahmen zu ergreifen.

Da KI-Agenten in IT- und Sicherheitsabläufen immer häufiger zum Einsatz kommen, wird die zentrale Frage nicht mehr lauten, was KI leisten kann, sondern wo ihre Befugnisse enden. Unternehmen benötigen klare Vorgaben, in denen festgelegt ist, welche Maßnahmen KI selbstständig ergreifen kann, welche der Zustimmung durch Menschen bedürfen, wie Entscheidungen protokolliert werden und wie Risiken im Laufe der Zeit gemessen und gesteuert werden. Unternehmen, die frühzeitig eine starke Governance etablieren, setzen KI schneller und effektiver um und erleben dabei weniger böse Überraschungen. Diejenigen, die dies nicht tun, riskieren Unklarheiten zu automatisieren – und Geschwindigkeit in Risiken zu verwandeln.