Washington und Peking sprechen über KI. Welche Entscheidung trifft Europa?
Wenn Donald Trump und Xi Jinping am 24. September in Washington zusammentreffen, geht es auch um eine Frage, die weit über den Handel mit einzelnen Chips hinausreicht: Wer erhält Zugang zu der Rechenleistung, auf der die nächste Generation künstlicher Intelligenz entsteht? Zwischen den USA und China sind fortgeschrittene Halbleiter und KI längst Teil des wirtschaftlichen und strategischen Wettbewerbs. (reuters.com, reuters.com)
Wie konkret diese Macht ist, zeigt ein Beschluss des amerikanischen Handelsministeriums vom Januar 2026. Exportanträge für KI-Chips wie Nvidias H200 oder AMDs MI325X werden für China unter bestimmten Voraussetzungen einzeln geprüft. Washington entscheidet damit nicht unmittelbar über jedes chinesische KI-Projekt. Es entscheidet aber mit darüber, welche amerikanische Rechenleistung chinesische Abnehmer erhalten können und unter welchen Bedingungen. (bis.gov)
Für ein KI-Modell genügt eine gute Idee nicht. Es braucht geeignete Chips, große Mengen davon, Strom, Rechenzentren und die Möglichkeit, diese Infrastruktur über lange Zeit zu betreiben. Eine Exportlizenz ist deshalb mehr als ein Verwaltungsakt. Sie kann den Zugang zu einer entscheidenden Produktionsbedingung öffnen, verzögern oder versperren.
Und Europa? Es steht keineswegs außerhalb dieser Wertschöpfung. In den Niederlanden sitzt mit ASML ein Schlüsselunternehmen der Lithografie. Die niederländische Regierung verlangt für bestimmte hochentwickelte Anlagen und Technologien Exportgenehmigungen. In Dresden entsteht mit ESMC eine Chipfabrik von TSMC, Bosch, Infineon und NXP. Europa verfügt also über Industrie, Wissen und politische Hebel. (government.nl, digital-strategy.ec.europa.eu)
Doch eine wichtige Maschine in der Lieferkette zu bauen bedeutet noch nicht, die gesamte Kette zu beherrschen. Die Europäische Kommission stellt selbst fest, dass die EU bei fortgeschrittener Chipfertigung und beim Halbleiterdesign weiterhin von Drittstaaten abhängt. Im Juni 2026 legte sie deshalb einen Vorschlag für einen zweiten Chips Act vor. Das ist eine Antwort auf das Problem, aber noch keine geschlossene europäische KI-Infrastruktur. (digital-strategy.ec.europa.eu)
Hier liegt die eigentliche Frage für Europa: Kann es seine Stärke bei Maschinen, industriellen Chips und Forschung so verbinden, dass europäische Unternehmen auch bei fortgeschrittener KI verlässlich rechnen, entwickeln und produzieren können? Oder wird in Washington und Peking über Zugänge entschieden, von denen europäische Geschäftsmodelle abhängen?
Das Treffen von Trump und Xi wird diese Frage nicht an einem Tag beantworten. Es macht aber sichtbar, worum gerungen wird. Macht zeigt sich hier in einer Exportgenehmigung, einer Fertigungsanlage und schließlich in dem Chip, der darüber entscheidet, wessen KI überhaupt gebaut werden kann.
Diese Zusammenhänge untersucht Alexander Tsolkas in „Die verborgene Architektur der Macht“.
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