Ein Kommentar von Sebastian Cler, Operativer Vorstand der SpaceNet AG
Die jüngsten Ausfälle von großen Hyperscalern, der Dienste wie X, Truth Social oder Schnittstellen von OpenAI betraf, haben uns deutlich vor Augen geführt, wie vernetzt unsere digitale Wirtschaft ist. Zwischen 12:48 Uhr und dem frühen Abend kam es weltweit zu Störungen. Doch anstatt diesen Vorfall nur als technisches Ärgernis zu betrachten, sollten wir ihn als Anlass nehmen, unsere IT-Strategien konstruktiv zu hinterfragen. Der Vorfall verdeutlicht eine strukturelle Herausforderung im modernen Internet, nämlich die starke Konzentration auf wenige, globale Infrastrukturanbieter.
Verantwortung statt Schuldzuweisung
Ein technischer Ausfall kann prinzipiell immer passieren. Technik ist komplex, und auch bei den größten Anbietern arbeiten Menschen. Es steckt kein böser Wille dahinter, wenn Konfigurationen fehlschlagen oder Hardware streikt. Doch genau deshalb ist es essenziell, sich nicht blind auf eine einzelne Lösung zu verlassen.
Digitale Unabhängigkeit bedeutet für Unternehmer vor allem, dass man Verantwortung übernimmt. Die Gefahr, die entsteht, wenn man sich auf nur eine Säule stützt, haben wir diese Woche gesehen. Deshalb sollte sich jeder Unternehmer, jeder Geschäftsführer und jeder IT-Entscheider grundlegende Fragen stellen: Wie funktioniert meine IT im Detail? Auf welcher Grundlage arbeite ich? Und habe ich einen Plan B?
Souveränität durch bewusste Entscheidungen
Wer sich entscheidet, kritische Prozesse und Datenverbindungen ausschließlich über einen einzigen globalen Anbieter zu routen, lagert ein Stück seiner unternehmerischen Handlungsfähigkeit aus. Echte digitale Souveränität beginnt dort, wo man diese Abhängigkeiten erkennt und aktiv managt. Es geht nicht um eine Abschottung oder ein „German Internet“, sondern um Risikominimierung durch Diversifizierung.
Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, dass IT-Infrastruktur eine reine „Commodity“ ist, die man einmal einkauft und dann vergisst. Sie ist das Nervensystem des Unternehmens. Sich hier abzusichern und Eigenverantwortung zu übernehmen, ist eine Kernaufgabe der Unternehmensführung.
Resilienz durch Vielfalt
Die Lösung liegt in einer intelligenten Multi-Vendor-Strategie. Cloud-Technologien und CDNs sind unverzichtbare Werkzeuge, aber sie sollten redundant ausgelegt sein. Hier kommen europäische und lokale Anbieter ins Spiel. Die Auswahl des Anbieters ist schließlich nicht nur eine Frage des Standorts oder des Datenschutzes, sondern eine strategische Rückversicherung.
Indem wir lokale Expertise mit globaler Reichweite kombinieren, schaffen wir Systeme, die Fehler kompensieren können. Nutzen wir den Vorfall dieser Woche also nicht für Panikmache, sondern als Impuls für mehr Resilienz. Wer seine IT versteht und Verantwortung übernimmt, bleibt auch im Störfall handlungsfähig.
-
0
-
0x geteilt
Weitere Artikel
No related posts.