Cloudflare Internet Disruptions Report: Rückkehr staatlicher Sperren

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Der aktuelle Bericht von Cloudflare zu den weltweiten Internetstörungen im ersten Quartal 2026 zeigt eine deutliche Häufung von langanhaltenden Ausfällen, die durch staatliche Eingriffe, Stromausfälle und geopolitische Konflikte verursacht wurden. Im starken Kontrast zum Vorjahr prägten dieses Mal weitreichende, von Regierungen angeordnete Abschaltungen das Quartal. 

In Uganda etwa wiesen die Behörden im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen am 15. Januar die Mobilfunkanbieter an, den öffentlichen Internetzugang zu sperren, was zu einem fast vollständigen Einbruch des Datenverkehrs über mehrere Tage führte. Die Republik Kongo erlebte während ihrer Präsidentschaftswahlen Mitte März ebenfalls einen fast vollständigen, etwa 60-stündigen Ausfall des Internetverkehrs. Zwar gaben die kongolesischen Behörden keine offizielle Erklärung für den Rückgang des Datenverkehrs ab, doch wurden ähnliche Sperren bereits während der Wahlen 2021 und 2016 verhängt.

Besonders drastisch war die Situation im Iran, wo die Bürgerinnen und Bürger aufgrund von zwei separaten, landesweiten Abschaltungen einen Großteil des Quartals offline verbrachten. Die erste Sperre begann am 8. Januar und ließ den Datenverkehr bis Ende Januar beinahe auf null sinken. Am 28. Februar startete im Zuge eskalierender militärischer Angriffe eine zweite Sperre, die (Stand Mitte April) andauerte und somit zu den längsten kontinuierlichen Internetausfällen der letzten Jahre zählt. Diese zweite Zensurmaßnahme wurde Berichten zufolge durch strikte Filterung und sogenannte „weiße SIM-Karten“ umgesetzt, die nur noch ausgewählten Nutzern den Zugriff auf staatlich genehmigte Websites erlaubten.

Neben politischen Instrumentalisierungen wirkten sich auch militärische Konflikte massiv auf die physische Internet- und Cloud-Infrastruktur aus. Eine beispiellose Eskalation stellten beispielsweise Drohnenangriffe auf Rechenzentren von Amazon Web Services (AWS) im Nahen Osten dar. Anfang März wurden AWS-Einrichtungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Bahrain von Drohnen direkt getroffen. Die Angriffe verursachten strukturelle Schäden, unterbrachen die Stromversorgung und erforderten Löscharbeiten, die weitere Wasserschäden nach sich zogen. Dies führte tagelang zu erhöhten Verbindungsfehlern für Anwendungen, die in diesen betroffenen Cloud-Regionen gehostet wurden.

Ferner verdeutlicht der Cloudflare-Bericht die Anfälligkeit der globalen Konnektivität gegenüber fragiler Infrastruktur, extremen Wetterbedingungen und technischen Defekten. In Kuba kam es allein im März zu drei separaten Zusammenbrüchen des nationalen Stromnetzes, was die massive Verschlechterung der dortigen Infrastruktur widerspiegelt und weitreichende Internetstörungen auf der ganzen Insel auslöste. Auch in Argentinien, Paraguay, der Dominikanischen Republik und auf den Amerikanischen Jungferninseln führten erhebliche Netzüberlastungen oder Leitungsschäden zu temporären Verbindungseinbrüchen. 

In Europa richtete der Sturm Kristin in Portugal schwere Schäden an, was in mehreren Distrikten langanhaltende Strom- und Internetausfälle zur Folge hatte. Zusätzlich beeinträchtigten physische Schäden am WACS-Unterseekabel zeitweise das Internet in der Republik Kongo , während technische Probleme unter anderem bei Verizon Wireless in den USA, bei Orange Guinée (Guinea) und bei TalkTalk in Großbritannien für vorübergehende Serviceunterbrechungen sorgten. Zusammenfassend zeigt das erste Quartal 2026 auf besorgniserregende Weise, dass das Internet weiterhin routinemäßig als Instrument politischer Kontrolle eingesetzt wird und direkte militärische Konflikte zunehmend verheerende Folgen für global verteilte Cloud-Infrastrukturen haben.