Experten-Kommentare zum Safer Internet Day 2026

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Der Safer Internet Day 2026 rückt einmal mehr die Frage in den Fokus, wie sicher wir uns im digitalen Raum tatsächlich bewegen. Zwischen wachsender Vernetzung, neuen Technologien und zunehmenden Bedrohungen wird Cybersicherheit zur gemeinsamen Aufgabe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Welche Herausforderungen aktuell besonders relevant sind und wo Handlungsbedarf besteht, ordnen im Folgenden Expertinnen und Experten aus der Praxis ein.

Robert Frank, Area Vice President Central Europe bei DigiCert:
“Da KI-Assistenten und automatisierte Prozesse zunehmend die Kommunikation übernehmen, interagieren immer häufiger Maschinen statt Menschen miteinander. Diese rasant wachsende Vernetzung braucht eine vertrauenswürdige Basis. Der Safer Internet Day erinnert uns daran, dass jede digitale Interaktion eine verifizierte Identität benötigt. Ob Server, Software-Code oder IoT-Gerät: Nur durch starke digitale Zertifikate und eine moderne Public Key Infrastructure lässt sich sicherstellen, dass KI-Systeme nur dort Zugriff erhalten, wo sie es auch sollen. Authentifizierung ist der Schlüssel zur sicheren Automation.” 

Gerald Eid, Regional Managing Director DACH bei Getronics: 
“Künstliche Intelligenz hat das Kräfteverhältnis im Cyberraum verändert und verschafft Angreifern einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil. Der Safer Internet Day mahnt uns, dass reine Abwehr nicht mehr ausreicht, wenn Attacken schneller und skalierbarer erfolgen als je zuvor. Unternehmen müssen echte Cyberresilienz entwickeln, um auch unter widrigen politischen oder technischen Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben. Vertrauen entsteht heute dort, wo adaptive Sicherheitsarchitekturen und geschulte Mitarbeitende zusammenwirken.”

Dean Watson, Lead Solutions Expert Secure Networking bei Infinigate:
“Künstliche Intelligenz verschiebt das Kräfteverhältnis zwischen Angreifern und Verteidigern. Cybersicherheit wird damit zum Wettlauf um Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und strategische Weitsicht. Unternehmen sollten gezielt in KI-gestützte Abwehrmechanismen, automatisierte Erkennungssysteme und eine transparente Governance für den Einsatz generativer KI investieren. Ein ebenso wichtiger Faktor sind Awareness- und Risikotrainings. Nur wer KI verantwortungsvoll integriert und zugleich Prävention und Kontrolle fest in seine Sicherheitsstrategie einbindet, wird im Wettlauf um Cyberresilienz bestehen.”

Michael Heuer, Area VP Central Europe / DACH bei Keepit: 
“Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag grundlegend – doch sie kann ihr Potenzial nur dann entfalten, wenn die zugrunde liegenden Daten jederzeit verfügbar, geschützt und wiederherstellbar sind. Datensicherung wird damit zur Vertrauensfrage: Mit dem steigenden Wert von Daten wachsen auch die Angriffsflächen. Im Ernstfall drohen nicht nur Ausfälle, sondern auch massiver Vertrauensverlust. Resiliente Backup- und Recovery-Strategien für SaaS- und Cloud-Daten sind deshalb eine zentrale Voraussetzung für einen verantwortungsvollen KI-Einsatz.”

Dr. Heiko Klarl, CEO bei Nexis:
“Die Einführung von KI-Tools beschleunigt Geschäftsprozesse, darf aber nicht zu einem Blindflug bei der Datensicherheit führen. Oft scheitern KI-Projekte nicht an der Technik, sondern an ungeklärten Zugriffen. Der Safer Internet Day erinnert daran, dass digitale Verantwortung bei der Ordnung im eigenen Haus beginnt. Nur wer seine Berechtigungsstrukturen analysiert und das Prinzip der minimalen Rechte konsequent durchsetzt, kann KI sicher skalieren. Identity Analytics liefert die nötige Transparenz, damit aus künstlicher Intelligenz kein echtes Sicherheitsrisiko wird.”

Patrick Münch,Mitgründer und CISO bei Mondoo:
“Cyberkriminalität ist ein ökonomisch rationales Unterfangen, und KI verändert die Ökonomie und Dynamik von Angriffen grundlegend. Ihr größter Vorteil für Angreifer liegt weniger in völlig neuen Methoden als vielmehr in der Fähigkeit, dauerhaft präsent zu sein, schnell zu handeln und im Maßstab sowie in der Geschwindigkeit von Maschinen zu operieren. Dadurch geraten immer mehr digitale Räume unter Druck von Bedrohungsakteuren, die unseren Alltag prägen. Im ständigen Wechselspiel von Angriff und Verteidigung müssen sich auch Sicherheitsstrategien weiterentwickeln und KI gezielt nutzen. Sicherheitsteams werden derzeit von einer Flut an Warnmeldungen überrollt und stehen vor der Herausforderung, die tatsächlich kritischen Risiken zu identifizieren. Die kontinuierliche Überwachung durch Agentic AI kann riskante Schwachstellen in Infrastruktur, Cloud-Umgebungen, Code und internetexponierten Services erkennen und beheben, bevor sie ausgenutzt werden. Das reduziert die Angriffsfläche ebenso wie die Menge an Threat-Detection-Alerts, hilft Sicherheitsteams, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, und stärkt das Vertrauen. Nur wenn digitale Systeme sicher, resilient und verantwortungsvoll betrieben werden, kann KI ihr volles Potenzial entfalten. Dafür braucht es Sicherheitslösungen, die mit der Geschwindigkeit von KI Schritt halten können.”

Hennig Dittmer, RVP DACH bei Ping Identity:
“Wenn KI-gestützte Angriffe menschliche Identitäten täuschend echt imitieren, reicht der bloße Augenschein zur Verifizierung nicht mehr aus. Der Safer Internet Day unterstreicht die Dringlichkeit, unsere digitalen Identitäten besser zu schützen. Herkömmliche Passwörter reichen gegen moderne Täuschungsmethoden längst nicht mehr. Um Vertrauen in digitale Interaktionen zu sichern, benötigen wir kryptografisch verifizierte Identitätsnachweise. Nur wer sicher weiß, mit wem er kommuniziert, kann sich im Zeitalter der künstlichen Intelligenz sicher bewegen.”

Alexander Ingelheim, CEO und Mitgründer von Proliance: 
“Am 10. Februar 2026 findet der Safer Internet Day statt – ein globaler Aktionstag für einen sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Technologien. Er macht deutlich, wie zentral Informationssicherheit für Unternehmen und Gesellschaft geworden ist; vom Schutz sensibler Daten bis zur sicheren Nutzung neuer Technologien. Dabei geht es nicht nur um Cyberangriffe, sondern ebenso um klare Verantwortlichkeiten, wirksame Prozesse und ein hohes Sicherheitsbewusstsein im Arbeitsalltag. Gerade kleine und mittlere Unternehmen stehen hier vor besonderen Herausforderungen, weil Ressourcen oft begrenzt sind.”

Frank Heisel, CEO von Risk Ident:
“Der Safer Internet Day stellt in diesem Jahr die Beziehung zwischen Mensch und KI in den Mittelpunkt. Doch während wir über Chancen und Risiken diskutieren, nutzen Betrüger längst KI-gestützte Werkzeuge, um Phishing-Mails täuschend echt zu gestalten, gestohlene Identitäten zu monetarisieren und Account-Takeover-Angriffe in industriellem Maßstab durchzuführen. Die klassischen Warnsignale – Rechtschreibfehler, holprige Formulierungen, verdächtige Absender – verschwinden zusehends. Ein sicheres Internet bedeutet deshalb auch, Betrug dort zu erkennen, wo er sich als alltägliches Nutzerverhalten tarnt. Moderne Betrugsprävention muss mit der gleichen Geschwindigkeit lernen wie die Angreifer – durch Verhaltensanalyse, Device Fingerprinting und intelligente Mustererkennung in Echtzeit. Denn Vertrauen in digitale Dienste entsteht nur dort, wo sich Nutzer sicher sein können, dass ihre Identität geschützt bleibt.”

Frank Strecker, CEO von Skaylink:
“Künstliche Intelligenz verspricht Effizienzgewinne und Wettbewerbsvorteile – doch viele mittelständische Unternehmen stehen vor der Frage, wie sie diese Technologie sicher und sinnvoll in ihre Prozesse integrieren können. Denn KI ist kein Produkt von der Stange. Was für ein Unternehmen funktioniert, kann für ein anderes völlig ungeeignet sein. Der Safer Internet Day erinnert daran, dass technologischer Fortschritt nur dann Vertrauen verdient, wenn er auf die individuellen Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten ist. Genau hier liegt die Stärke von Professional und Managed Services mit lokaler Expertise: Partner, die das Geschäft ihrer Kunden seit Jahren kennen, die Prozesse verstehen und als verlängerter Arm der internen IT agieren, können KI-Projekte auf ein solides Fundament stellen. Sie wissen, welche Daten sensibel sind, wo Compliance-Anforderungen greifen und wie sich neue Technologien in gewachsene Strukturen einfügen lassen. Je tiefer KI in Geschäftsprozesse vordringt, desto wichtiger wird ein Partner, der nicht nur die Technologie beherrscht – sondern auch das Unternehmen dahinter versteht.”

Sebastian von Bomhard, Vorstand und Gründer der SpaceNet AG: 
“KI ist höchstens so vertrauenswürdig wie die Infrastruktur, auf der sie betrieben wird. Hinter jeder intelligenten Anwendung stehen Rechenzentren, Server und Netzwerke, die höchsten Sicherheits- und Compliance-Anforderungen genügen müssen. Der Safer Internet Day macht deutlich: Wer KI verantwortungsvoll einsetzen will, muss auch die Infrastruktur bedenken. Vertrauen in KI beginnt bei Datenhoheit, Standort und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Digitale Souveränität und ein Partner auf Augenhöhe sind mehr als ein nice to have.”

Zac Warren, Chief Security Advisor EMEA bei Tanium: 
“Der Safer Internet Day erinnert uns daran, dass die Integrität unseres globalen digitalen Ökosystems von der Widerstandsfähigkeit der Millionen von Endpunkten abhängt, aus denen es besteht. Angesichts immer raffinierterer Bedrohungen – von KI-gesteuerten Angriffen bis hin zu Schwachstellen in der Lieferkette – müssen IT-Teams endlich Unsicherheit und fragmentierte Tools hinter sich lassen und auf Automatisierung setzen. Denn ganzheitliche Sicherheit beginnt mit umfassender Transparenz und der Fähigkeit, auf Echtzeitdaten in großem Maßstab zu reagieren – so bleibt „Cyberhygiene“ nicht nur ein Schlagwort, sondern wird zu einer messbaren Realität. Durch die automatisierte Zusammenführung von IT-Betriebs- und Sicherheitsmaßnahmen schaffen wir so die Sicherheit, die zum Schutz von Unternehmen und Organisationen erforderlich ist.”

Alexander Koch, SVP Sales EMEA bei Yubico:
“Durch KI-gesteuertes Phishing und der Verbreitung nicht-menschlicher Identitäten ist es keine tragfähige Sicherheitsstrategie mehr, sich auf traditionelle Authentifizierungsmethoden zu verlassen. Wir beobachten weiterhin eine gefährliche Kluft zwischen der Wahrnehmung von Sicherheit und der Realität der Nutzergewohnheiten, wo schwache Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) und Passwörter Unternehmen anfällig für fortgeschrittenes Social-Engineering machen. IT-Führungskräfte müssen der Schließung dieser Lücke Priorität einräumen, indem sie auf phishing-resistente, gerätegebundene Anmeldedaten standardisieren, die nicht umgangen oder abgefangen werden können – so wie Hardware Sicherheitsschlüssel. Der Fokus muss sich darauf verlagern, die Person hinter jeder Interaktion eindeutig zu verifizieren. Wir bei Yubico sind davon überzeugt, dass der Einsatz von hardwarebasierter Sicherheit eine grundlegende Voraussetzung für echte Cyber-Resilienz ist.“