Datenschutz beginnt mit der Frage, wem wir im digitalen Raum vertrauen können. Sensible Daten fließen heute kontinuierlich zwischen Unternehmen, Cloud-Diensten und Endgeräten. Die sichere Identifizierung aller Kommunikationspartner ist dabei die Grundvoraussetzung für wirksamen Schutz.
Digitale Zertifikate bilden das unsichtbare Fundament dieser Vertrauensinfrastruktur. Sie gewährleisten, dass verschlüsselte Verbindungen tatsächlich mit dem gewünschten Gegenüber zustande kommen – und nicht mit einem Angreifer, der sich als legitimer Dienst ausgibt. Ohne diese Vertrauensanker wäre selbst die beste Verschlüsselung wertlos. Denn Verschlüsselung schützt nur dann, wenn die Gegenseite auch die ist, für die sie sich ausgibt.
Der Data Privacy Day erinnert uns daran, dass Datenschutz kein statischer Zustand ist, sondern kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert. Das gilt umso mehr angesichts einer Bedrohung, die sich bereits heute abzeichnet. Leistungsfähige Quantencomputer werden die asymmetrischen Verschlüsselungsverfahren brechen können, auf denen unsere gesamte digitale Vertrauensinfrastruktur basiert. RSA und elliptische Kurven, die heute Milliarden von Verbindungen absichern, werden dann keinen Schutz mehr bieten.
Wenn die Zukunft zur Gefahr für die Gegenwart wird
Was abstrakt klingt, hat konkrete Auswirkungen auf den Datenschutz. Angreifer sammeln bereits heute verschlüsselte Daten, um sie später zu entschlüsseln – eine Strategie, die als „Harvest Now, Decrypt Later” bekannt ist. Sensible Informationen, die heute übertragen werden, könnten in einigen Jahren offenliegen. Für Unternehmen, die mit personenbezogenen Daten, Geschäftsgeheimnissen oder regulierten Informationen arbeiten, ist das keine theoretische Gefahr, sondern ein reales Risiko, das bereits in heutigen Datenschutzstrategien berücksichtigt werden muss.
Die gute Nachricht ist, dass mit der Standardisierung quantensicherer Algorithmen durch das US-amerikanische NIST im vergangenen Jahr nun erprobte Verfahren bereitstehen, die auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten. Der Übergang zur Post-Quantum-Kryptografie ist damit keine Frage des Ob mehr, sondern des Wann und Wie.
Entscheidend ist jetzt, dass Unternehmen ihre kryptografische Infrastruktur auf den Prüfstand stellen. Wo werden welche Verschlüsselungsverfahren eingesetzt? Welche Systeme und Zertifikate müssen migriert werden? Wie lässt sich der Übergang gestalten, ohne den laufenden Betrieb zu gefährden? Wer diese Fragen heute beantwortet und die Weichen für crypto-agile Systeme stellt, schützt die Daten seiner Kunden, Partner und Mitarbeiter auch in einer Post-Quantum-Welt zuverlässig.
Datenschutz war nie nur eine Frage der Gegenwart. Er bedeutet auch, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.
Ein Statement von Robert Frank, Area Vice President Central Europe bei DigiCert.




