Industrieunternehmen stehen heute vor einer Situation, die es in dieser Form zuvor nicht gab. Technische Systeme entwickeln sich schneller, als Organisationen sie strukturieren können. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck durch neue Vorgaben wie Cyber Resilience Act (CRA), Maschinenverordnung (MVO) und anerkannte Sicherheitsstandards (z. B. IEC 62443).
Das Resultat ist, dass viele Unternehmen merken, dass ihre gewachsene OT-/IT-Landschaft die Anforderungen der nächsten Jahre in ihrer aktuellen Form nicht mehr erfüllen kann.
1. Komplexe, gewachsene Systemlandschaften
Die meisten industriellen Systeme sind über viele Jahre hinweg organisch gewachsen. Das führt zu typischen Herausforderungen:
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Systeme unterschiedlicher Generationen
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parallele Schnittstellen, Protokolle und Insel-Lösungen
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fehlende durchgängige Dokumentation
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Verantwortlichkeiten, die nie sauber neu geordnet wurden
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Abhängigkeiten von Einzelpersonen oder Lieferanten
Diese Strukturen funktionieren im Alltag oft erstaunlich zuverlässig — aber sie lassen sich kaum auditieren, modernisieren oder normkonform weiterentwickeln.
2. Regulatorischer Druck – Die Unternehmen müssen beweisen, dass sie sicher sind
Mit neuen gesetzlichen Anforderungen steigt die Pflicht, technische Maßnahmen nachweisbar zu machen:
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Security-by-Design
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Updatepflichten
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Vulnerability Handling
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Identitäts- und Zugriffskontrollen
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Dokumentation und Nachweisführung
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Risikobewertungen und „wesentliche Änderungen“
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Nachvollziehbare Entwicklungs- und Betriebsprozesse
Was früher „good practice“ war, ist heute Pflicht. Und viele Unternehmen erkennen, dass ihre heutige Struktur diese Nachweise nicht ohne grundlegende Neuordnung liefern kann.
3. IT und OT wachsen zusammen — aber ohne gemeinsame Regeln
Moderne Produktions- und Logistiksysteme sind heute stärker vernetzt als je zuvor. Dadurch entsteht eine neue Realität:
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Steuerungstechnik kommuniziert mit IT-Systemen
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Cloud-Anbindungen werden Standard
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Daten fließen über interne und externe Plattformen
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Fernzugriffe müssen kontrolliert und abgesichert werden
Doch die meisten Organisationen haben keine einheitlichen Regeln dafür, wie diese Verbindungen sicher gestaltet werden. Das führt zu Inkonsistenzen, Risiken und fehlender Nachweisfähigkeit.
4. Fehlende oder unklare Prozesse bremsen Modernisierung
Besonders kritisch wird es dort, wo grundlegende Betriebsprozesse fehlen oder uneinheitlich umgesetzt werden:
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Lifecycle- und Patchmanagement
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Change-Management
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Vulnerability-Prozesse
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Rollen- und Berechtigungskonzepte
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Logging und Monitoring
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Notfall- und Wiederanlaufkonzepte
Ohne klare Strukturen wird jede Modernisierung aufwendig, teuer und riskant.
5. Warum jetzt ein Wendepunkt erreicht ist
Die Kombination aus…
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steigender Komplexität
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regulatorischem Druck
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wachsender Vernetzung
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fehlender Dokumentation
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wirtschaftlichen Anforderungen…
führt zu einem Punkt, an dem Unternehmen ihre OT-/IT-Landschaft neu ordnen müssen, um:
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auditierbar zu sein
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rechtssicher zu handeln
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sicher zu produzieren
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technisch anschlussfähig zu bleiben
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zukünftige Produkte und Funktionen entwickeln zu können
Diese Neuordnung betrifft nicht nur Technik — sie betrifft Prozesse, Rollen, Verantwortlichkeiten und Architekturprinzipien.
6. Was Unternehmen jetzt brauchen
Damit Transformation gelingt, benötigen Organisationen:
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Ein klares Zielbild für ihre OT/IT-Architektur
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Strukturierte Prozesse für Sicherheit, Updates und Veränderungen
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Nachweisbare Compliance-Strukturen
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Dokumentation, die aktuell und prüffähig ist
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Rollen und Verantwortlichkeiten, die zu modernen Sicherheitsanforderungen passen
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Transparenz über Systeme, Schnittstellen und Risiken
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Monitoring und Reaktion bei sicherheitsrelevanten Ereignissen
Im Summe benötigen sie eine professionelle Grundlage, auf der Technik, Betrieb und Compliance zusammenarbeiten können.
Resumé
Industriefirmen müssen ihre OT-/IT-Systeme heute nicht erneuern, weil „Security modern ist“, sondern weil der Markt, die Technik und die Gesetze sie dazu zwingen. Wer jetzt klare Strukturen schafft, schafft sich zugleich einen Wettbewerbsvorteil, durch schnellere Modernisierung, geringere Risiken, sichere Lieferfähigkeit und stabile Compliance.


