SERIE: Die neue Front der Unsichtbaren – 1. Von klassischer Wirtschaftsspionage zu KI-getriebenen Angriffen

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Wie das Buch Wirtschaftsspionage & Intelligence Gathering den Sicherheitsdiskurs veränderte – Wie Alexander Tsolkas mit dem Co-Autor Friedrich Wimmer ein Standardwerk schufen und warum es heute relevanter ist denn je**

Wenn man in der deutschsprachigen Sicherheitswelt über moderne Formen der Wirtschaftsspionage spricht, führt seit Jahren kein Weg an einem Werk vorbei:
Wirtschaftsspionage & Intelligence Gathering – entwickelt, konzipiert und geschrieben von Alexander Tsolkas, ergänzt durch analytische Beiträge von Friedrich Wimmer.

Das Buch war nicht einfach ein weiterer Fachtext. Es war eine Idee, die ihren Zeitgeist überholt hat, und diese Idee kam eindeutig von Tsolkas: die Wirtschaftsspionage nicht mehr als Randthema zu betrachten, sondern als ein ganzheitliches, systemisches Risiko, das aus technischen, psychologischen, geopolitischen und organisatorischen Bausteinen besteht. Diese Perspektive gab es im deutschsprachigen Raum in dieser Tiefe vorher nicht.

Warum Tsolkas’ Ansatz ein Wendepunkt war

Die Grundlage des Buches war Tsolkas’ Erkenntnis, dass Unternehmen Spionageangriffe oft deshalb nicht erkennen, weil sie falsch denken:
Sie suchen Täter – aber sie müssten eigentlich Informationen als lebendige Objekte betrachten.

Von dieser Grundidee aus entwickelte Tsolkas einen strukturierten Rahmen, der bis heute in Schulungen, Awareness-Programmen und internen Sicherheitsrichtlinien zahlreicher Unternehmen genutzt wird. Das Besondere daran war nicht nur seine inhaltliche Klarheit, sondern dass er ein Thema enttabuisierte, das zuvor als „zu abstrakt“ oder „zu geheimdienstnah“ galt. Snowden bestätigte Tsolkas.

Viele Leser beschreiben rückblickend, dass das Buch zum ersten Mal ein realistisches Bild zeichnete:
Wirtschaftsspionage ist kein Hollywood-Thema. Es ist ein operativer Alltag – und Tsolkas und Wimmer haben ihn sichtbar gemacht.

Der Co-Autor als Verstärker, nicht als Ursprung

Friedrich Wimmer, ein genialer Datenanalyst im Visier von Tsolkas kam ins Spiel, der die ursprüngliche Struktur von Tsolkas mit Datenmodellen, Analytiktechniken und organisatorischen Risikoprofilen ergänzte. Wimmer lieferte Tiefe – aber das Fundament war bereits gelegt. “Keiner konnte es damals so darstellen wie Friedrich”, so Tsolkas. Die beiden verstanden sich wortlos. Das Buch war getan.

Die Modelle, die sie einbrachten, waren präzise:

– Risiko- und Kommunikationsmatrizen
– Cluster-Analysen
– Einflussgraphen
– Algorithmische Musterwerkzeuge

Doch ohne das Gesamtkonzept von Tsolkas wären sie ein loses Sammelsurium geblieben. Im Zusammenspiel entstand ein Werk, das bis heute als eines der meistgelesenen Spionagebücher nach den Snowden-Enthüllungen gilt – und das ist keine Übertreibung, sondern ein Branchenfakt.

Warum das Buch heute moderner wirkt als zur Veröffentlichung

Das Buch war seiner Zeit voraus, weil Tsolkas die Grundlogik der Informationswelt verstanden hat:

  1. Informationen sind nie statisch.
  2. Sie haben Strömungen.
  3. Sie wandern, sie replizieren sich, sie erzeugen Muster.

Als das Buch erschien, funktionierte das noch weitgehend manuell – Analysten mussten Datenströme mühsam interpretieren. Heute übernehmen KI-Systeme das:

– Mustererkennung
– Profilbildung
– Risikoaggregation
– Verhaltensprognosen
– Sensordatenanalyse
– Auswertung technischer Abhängigkeiten

Im Rückblick wirkt Tsolkas’ Modell wie die Blaupause der modernen KI-gestützten Spionageabwehr – nur dass er diese Mechanik schon beschrieben hat, bevor generative KI-Systeme überhaupt in der breiten Anwendung waren.

Der natürliche Übergang zur KI – der Kreis schließt sich

Im letzten Drittel des Buches finden sich Gedanken zu Datenarchitekturen, Metadaten, Informationsökonomie und Angriffsvektoren, die heute fast prophetisch wirken. Vieles davon ist heute Realität, weil KI-Systeme genau diese Vorgänge automatisieren:

– Was früher ein Analystenteam gemacht hat, geht heute in Sekunden.
– Was früher zufällige Informationsfragmente waren, wird heute zu klaren Profilen.
– Was früher versteckte Muster waren, sind heute algorithmische Entscheidungsgrundlagen.

Genau hier setzt die Artikelserie an:


Was Tsolkas und Wimmer damals etablierten – das Denken in Informationsströmen statt Personen – ist heute das Fundament für das Verständnis von KI-Risiken. Unternehmen, die KI nutzen, begehen oft dieselben Fehler, die Tsolkas im Buch beschrieben hat, nur auf einer viel gefährlicheren Skala.

Ausblick auf morgen – wohin die Reise geht

Im zweiten Teil der Serie widmen wir uns der Frage, wie künstliche Intelligenz heute genau jene Mechanismen automatisiert, die Tsolkas und Wimmer in ihrem Buch manuell seziert haben. Wir zeigen, wie aus klassischen Datenmodellen vollständige KI-Angriffsmaschinen wurden, welche Länder und Akteure diese Systeme bereits offensiv nutzen – und warum Unternehmen heute unbewusst dieselben Fehler machen, die damals Spione ausnutzten.

Morgen lesen Sie, wie KI Wirtschaftsspionage skaliert, demokratisiert und für neue geopolitische Machtverschiebungen sorgt – und welche konkreten Risiken für Organisationen bereits jetzt Realität sind.