Hinweis: Ich gehe davon aus, dass der Interviewer mit “Data Room” Datenräume meint.
- Wie ist die europäische Perspektive auf die globale Verfügbarkeit von Daten und die Interoperabilität von Datenräumen?
Die Datenstrategie der Europäischen Kommission zielt darauf ab, den freien Datenfluss innerhalb und über Grenzen hinweg sicherzustellen und so einen gemeinsamen Datenmarkt zu schaffen, der globale Interoperabilität unterstützt. Durch den Abbau von Hindernissen für den Datenaustausch fördert die EU Innovation und sorgt dafür, dass Datenräume in verschiedenen Regionen nahtlos zusammenarbeiten können. Dies ist Teil der umfassenderen Europäischen Datenstrategie. Der Data Governance Act, der Data Act und der AI Act legen den Rahmen fest, um vertrauenswürdige, dezentrale und interoperable Datenräume in Europa zu schaffen. In Bereichen wie der Automobilindustrie, wo globale Datenunterstützung notwendig ist, wird ein föderierter Ansatz für interoperable Datenräume unterstützt. Gaia-X ist hier positioniert, um diese globale Interoperabilität zu fördern. - Welche Mindeststandards gibt es für Datenräume?
Zu den Mindeststandards zählen:- Rechtlich relevante Nachweise für die Identitäten der Teilnehmer am Datenraum (rechtliche und natürliche Personen, Datenraum-Governance-Behörden, Datenvermittler, usw.).
- Technische Absicherung vertrauenswürdiger Daten- und Diensttransaktionen (z. B. kryptographische Umschläge für Inhaltsintegrität).
- Erstellung einer nachvollziehbaren Nachweiskette für Rechteübertragungen, Autorisierungen, Eigentumsverhältnisse, Einwilligungen usw.
- Sicherstellung der semantischen Interoperabilität von Nachweisen und Belegen (z. B. durch Ontologien wie DCAT, ODRL, SHACL, ISO/IEC 17000:2020).
- Welche speziellen Anforderungen gibt es für Datenräume in spezifischen Anwendungsfällen (z. B. für Kernkraftwerke oder Luftfahrt)?
Anforderungen können aus nationalen Gesetzen, Branchenregulatoren (z. B. Banken, Energie) oder durch die „Data Space Governance Authorities“ entstehen. Dabei gibt es oft einheitliche Methoden und Begriffe für Konformitätsprüfungen. Für datenintensive Branchen wie die Automobilindustrie ist globale Erreichbarkeit wichtig, während für kritische Infrastrukturen wie Energienetze in Europa die Souveränität und Unabhängigkeit von extraterritorialen Gesetzen Priorität hat. Die Gaia-X Compliance-Stufen berücksichtigen diese verschiedenen Anforderungen. - Welche standardisierten Richtlinien gibt es für Datenräume?
Abgesehen von technischen Standards (z. B. FTP von 1971) sind viele Anforderungen noch in Entwicklung. Relevante Initiativen umfassen eIDAS und OpenID für verifizierbare Nachweise. Ein erster Satz standardisierter Richtlinien wurde im Data Spaces Support Centre veröffentlicht, das von der EU beauftragt wurde, eine Architektur für interoperable Datenräume bereitzustellen. - In welchem Umfang existiert bereits eine Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Datenräumen?
Die Zusammenarbeit wird vollständig von der Governance-Behörde des jeweiligen Datenraums kontrolliert. Gaia-X bietet Richtlinien zur Förderung dieser Kooperation und entwickelt gemeinsam mit verschiedenen Datenräumen „Minimal Interoperability Credentials“ als Mindestset an Interoperabilitätsmechanismen. - Welche Bedingungen müssen geschaffen werden, um die Zusammenarbeit auszubauen?
Transparenz ist ein Schlüsselaspekt. Das Gaia-X Compliance-Dokument legt den Fokus auf rechtliche und organisatorische Interoperabilität, um Kooperationen zwischen Datenräumen aus unterschiedlichen Domänen, wie Smart Cities und Energie, zu ermöglichen. - Wie nachhaltig sind Datenräume?
Die Nachhaltigkeit hängt von den Energiequellen der Rechenzentren ab. Datenräume in Ländern wie Frankreich oder Norwegen mit CO₂-neutraler Energie sind nachhaltiger als solche in Ländern mit fossilen Energiequellen. Gaia-X berücksichtigt in seinen Compliance-Kriterien die Nachhaltigkeitsziele. - Wie steht es um das Vertrauen der Nutzer in Datenräume und deren Technologien?
Gaia-X stärkt das Vertrauen der Nutzer durch das umfassende Trust Framework, das sicherstellt, dass nur autorisierte Entitäten am Datenaustausch teilnehmen.



