Grenzen der Automatisierung im Incident Management

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Workflows sollen möglichst automatisiert ablaufen, um menschliche Fehler zu minimieren: so lautet ein zentrales Anliegen der IT. Die Automatisierung des gesamten Incident Management ist aber unrealistisch, meint Sicherheitsspezialist NTT Security (Germany) GmbH.

Eine schnelle und adäquate Reaktion auf IT-Sicherheitsvorfälle ist in allen Unternehmen unverzichtbar. In einer idealen Welt könnten Tools solche Aufgaben übernehmen – und tatsächlich gibt es Incident-Response-Werkzeuge am Markt, die eine Automatisierung dieser Prozesse versprechen.

„Es ist unrealistisch, dass ein Unternehmen einer Softwarelösung erlaubt, Applikationen selbständig zu stoppen oder gar Systeme vom Netz zu nehmen. Das könnte verheerende Auswirkungen haben“, erklärt Patrick Schraut, Director Consulting & GRC DACH bei NTT Security in Ismaning. Automatisierte Verfahren haben in vielen IT-Bereichen ihre Berechtigung und bringen auch erhebliche Vorteile, „mitnichten aber bei der Incident Response, dort sind höchstens teilautomatisierte Lösungen denkbar“, so Schraut, „anders ist der Fall allerdings bei der Incident Detection, also der reinen Erkennung von Vorfällen, gelagert“.

Die erste zentrale Herausforderung in der Abwehr von Cyber-Attacken liegt laut NTT Security (Germany) GmbH im Bereich der Detektion. Hier sind Lösungen, die einen hohen Automatisierungsgrad aufweisen, von erheblichem Nutzen, denn ein Zeitverlust durch manuelle Tätigkeiten kann gravierende negative Auswirkungen für ein Unternehmen nach sich ziehen. Früherkennung ist ein absolutes Muss. Sie sollte auf der Auswertung von Echtzeitdaten und einem proaktiven Monitoring basieren – und dies ist nur automatisiert vernünftig realisierbar, allein schon aufgrund der riesigen Menge an Daten und Ereignissen, die zu untersuchen sind. Hierzu merkt Schraut an: „Die Entwicklung im Bereich der effizienten Echtzeit-Überwachung ist nicht stehen geblieben. Früher ging es nur um Systemlogs und -warnungen, heute rücken verstärkt auch Verhaltensanalysen der IT-Umgebung ins Blickfeld, mit denen ungewöhnliche Aktivitäten aufgedeckt werden können.“ Beispiele sind etwa auffällige Benutzeraktionen, aber auch IT-Systeme, die plötzlich Daten miteinander austauschen.

Auch erkennen Unternehmen zunehmend, dass bei der Detektion die Client-Infrastruktur zu berücksichtigen ist, sprich alle Endgeräte der einzelnen User: „Nach unseren Erfahrungen ist dies bei rund 90 Prozent aller Unternehmen bisher noch nicht der Fall“, betont Schraut.

Bei der Nutzung von Tools zur schnellen, automatisierten Erkennung von Sicherheitsvorfällen liegt auf Unternehmensseite allerdings noch Einiges im Argen. So dauert es im Durchschnitt – je nach Analyst – zwischen drei und mehr als 30 Wochen, bis ein Angriff überhaupt erkannt wird. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Unternehmen über kein eigenes Cyber Defense Center verfügen, in dem Angriffe frühzeitig festgestellt und Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können. „Hier stellt sich aber auch die Frage, ob der Aufbau eines solchen Centers überhaupt für jedes Unternehmen sinnvoll ist“, so Schraut. „Ein umfassender Schutz vor Cyber-Angriffen ist kaum völlig autark realisierbar, da zum einen die Bedrohungslage zu heterogen und dynamisch und zum anderen der Kostenaufwand zu hoch ist. Alternativ sollte die Nutzung von Managed Security Services (MSS) in Betracht gezogen werden.“

MSS-Anbieter betreiben SOC (Security Operations Center) als proaktive Abwehrzentren für Unternehmen, in denen unter anderem die Früherkennung von Angriffen erfolgt – und zwar durch den Einsatz von Technologie in Kombination mit fachlicher Expertise, das heißt durch den Zugriff auf intelligente Tools, die eine permanente und zwar automatische Analyse des Datenverkehrs und die Korrelation unterschiedlichster Informationen sicherstellen, und das Experten-Know-how von Cyber-Security-Analysten.

Zentraler Vorteil des SOC eines global aufgestellten MSS-Anbieters ist der umfassende Überblick über die Sicherheitslage und die Möglichkeit, Bedrohungen vorausschauend zu ermitteln und zu isolieren. Dadurch besteht für ein Unternehmen ein umfassender Schutz vor akuten und auch gänzlich neuen Bedrohungen.